Ars Electronica: Aural Screenshots

Electronic Music Performance

1995

Ars Electronica: Aural Screenshots

by Wolfgang Fadi Dorninger

@ars electronica - Promotion-Party 14.June 7 pm in the Museum of the 20th Century, Vienna

@ars electronica Festival Brucknerhaus Linz 22. Juni Brucknerhaus

@ars electronica Horizontal Radio (Curator: Gerfried Stocker) 22. Juni ORF Linz

Das Projekt "aural screenshots" eröffnet Ars Electronica mit einer akustischen Vorschau auf das Festival, einem "preview" auf Ereignisse, Aufführungen und Vorträge. Der zweite Abend gestaltet sich als "review". Formal geht es darum, Informationen durch Musik so umzusetzen, damit unerwartete Situationen entstehen können. Screenshots vom Bildschirm, aus Katalogtexten oder Abbildungen sind die Rohstoffe für die Realisation von aural screenshots. Der Themenkomplex "Mythos Information" wird sozusagen in diesem Rahmenprogramm mittels Musik einer weiteren Interpretation unterzogen.

INFORMATION SCULPTURE

Das Studio als Synapse, Motor und Spielfläche ermöglicht es den Musikern Kompositionsprozesse in Bewegung zu halten. Momente des Festivalgeschehens aktualisiert in die Musik einzubinden und ein provokantes experimentelles Medium zu schaffen. Das Mischen von bedeutungslosen Geräuschen mit solchen, denen eine semantische Bedeutung zugestanden wird, ermöglicht es dem Komponisten, wahrnehmungs-interaktive Teile in komponierte Elemente einzubinden. Diese Musikenvironments schaffen neue Räume und Situationen. Da das Studio im Restaurant plaziert, Teil des Wired Cafes ist, ermöglicht es den Musikern, jene Freiräume zu nützen, um abseits bühnenüblicher Inszenierungen Klangräume zu gestalten. Das Komponieren mit der eigenen Überraschung ist schwerpunktmäßig Teil dieser Information-Sculpture, treffen diese kontextuellen Verschiebungen doch auf vorgefertigte Kompositionen, die anhand von Informationen aus Projektbeschreibungen und Katalogtexten gespeist worden sind.

ELECTRONIC KLANG (EIGEN)RAUM

Das Eigenleben von synthetischen Klangerzeugern ermöglicht es dem Komponisten, herkömmliche Formen musikalischer Sprachlichkeiten zu überwinden, bis hin zur Möglichkeit, technische Unbestimmbarkeiten als eigene Formensprache in den Prozeß des Musikschaffens einzubinden. Fälschlich eingesetze Routings auf Oszillatoren, Filter und Hüllkurven erzeugen digitale Feedbacks oder intern unregelmäßig verlaufende Schleifen und Übersteuerungen, die in Folge eine Unkontrollierbarkeit des Klangbildes bewirken. Die Zerstörung von Informationspfaden und Parametern erzeugt Klänge, die durch das Verlassen der gerätespezifischen Sprache zu einer Nichtsprache mutieren und erst durch Eingriffe übergeordneter Systeme eine kulturelle Transparenz erhalten. Der Mythos von der synthetisch reproduzierten Klangwirklichkeit, der Nachbildung des Naturklangs, konnte erst mittels digitaler Technik vermarktet werden, wenngleich diese Möglichkeit auf Fehlinformationen beruht. Der mittels Mikrophon aufgenommene Klang bestreitet einen ADA-Weg (analog zu digital zu analog) und erlaubt erst im DA-Bereich eine synthetische Bearbeitung. Die Klänge zu den aural screenshots werden ausschließlich unter Bezugnahme auf das Eigenleben synthetischer Geräte generiert, aus dem normalen Gerätezusammenhang gerissen und in eine neue Geräte-Situation gestellt.

WELLEN IN LUFTMEER

Solange der Mensch wach ist, nimmt er/sie einen nie abreißenden Strom von klanglichen Botschaften der Außenwelt auf, die gefiltert und geordnet werden müssen. Der Mensch vermag Geräusche zu hören, die so schwach sind, daß das Trommelfell um weniger als den Durchmesser eines Wasserstoffmoleküls schwingt. Anderseits wird Lärm, der zehnmillionenmal stärker ist, den Gehörmechanismus kaum zerstören können. aus: Schall und Gehör von S.S. Stevens. Fred Warshofsky

Wenn man davon ausgeht, daß die Hörgenauigkeit durch Entfernung / Lautstärke beeinflußt wird, so kann man auch davon ausgehen, daß neue Klänge Auswirkungen auf das Hörerlebnis ausüben. Die Psychophysik beschäftigt sich seit dem 17. Jahrhundert damit, wie die Sinne auf physikalische Reize reagieren. Mit der Veränderung des Lebensraumes verwandelt sich auch das Hörerlebnis, bewirkt Technik Techno-Musik. Diese Form industrieller Musik operiert nicht nur mit klanglichen Phänomenen, sondern zeigt überdies hinaus die Spuren eines deutlich veränderten Gestaltungswillens. Die eingesetzten Mittel und Sprachlichkeiten setzten sich deutlich von traditionellen Kompositionsformen ab und bewirken, daß sich der akustische Hintergrund geistig in den Vordergrund rückt. In diesem Sinne gestatten aural screenshots akustische Vordergründe und environmental soundscapes.

Staff:

Technische Entwicklung, Konzeptionierung und musikalische Realisation: Wolfgang Dorninger *arbeitet im Bereich Film- und Videovertonung. studiert an der Meisterklasse für Visuelle Gestaltung in Wien. Musiker bei der Multimediagruppe Monochrome Bleu und WipeOut Konzeptionierung und musikalische Reatisation: Josef Linschinger *Komponist. Musiker bei Fuckhead Produktion: Sonic Sound Performer: Dietmar Bruckmayr *Sänger. Performer & Texter bei Fuckhead und WipeOut Lichtdesign: Peter Thalhammer *freier Lichtdesigner und Tänzer Tontechnik: Alex Jöchtl *Musiker und Tonmeister Kompositionen: Wolfgang Dorninger, Josef Linschinger, Biosphere, Peter Androsch