Nasca 5.1 - ein radiophoner Livemix

2007, 5.1 Radio-Edit, Nasca, on perspective, Nasca, Peru

2007 May

Nasca 5.1 - ein radiophoner Livemix

2007 Ö1 Kunstradio

Ö1 KUNSTRADIO - RADIOKUNST

SONNTAG, 20. Mai 2007, 23:05 - 23:45 Live in 5.1 Digital Dolby Surround via OE1DD

A cassette of this program can be ordered from the "ORF Tonbanddienst".

Langes Intro: Das Stück „Nasca 5.1“ basiert auf den unzähligen Theorien rund um die Geoglyphen von Nasca, dem Nasca-Code und der davon ausgehenden Inspiration für die Menschen der Region Nasca/Palpa, für Künstler, Wissenschaftler und Touristen. Der radiophone Mix behandelt Theorien von Wissenschaftlern gleichrangig den Aussagen heimischer Bauern, behandelt Thesen und Erklärungsversuche. Das Rätsel Nasca zieht magnetisch Menschen aus aller Welt an. Nachdem die Geoglyphen gut 1000 Jahre in der Steinwüste von Nasca einfach nur für sich da waren, sind sie heute wieder Projektionsfläche für Phantasien und Sehnsüchten. Eine genaue Datierung ist heftig umstritten, da die „Anlage“ über Generationen hinweg erreichtet wurde. Der Entstehungszeitraum wird mit 1000 vor bis 1000 nach Christus ganz gut definiert und durch Forschungen punktuell auch bestätigt. Da es in der Pampa von Nasca praktisch niemals regnet, der Wind erst 20cm über dem Boden Wirkung zeigt, halten sich die klimatischen Erosionsfaktoren in engen Grenzen, so dass die „Scharrbilder“ recht gut erhalten sind. Die Deutungsversuche über den Sinn dieser „Anlage“ könnte abwechslungsreicher gar nicht mehr sein. Besonders populär ist die Vorstellung eines astronomischen Observatoriums. Daneben werden sakrale kultische Zwecke favorisiert. Erich von Däniken brachte vor etwa 35 Jahren die Vorstellung einer Landebahn für Außerirdische ins Spiel (Cargo-Kultur), die durch die Reppchen/Hartsch Expedition (2005) mit neuen wissenschaftlichen Daten unterfüttert, wieder mit Nachdruck ins Spiel gebracht wird. Größere Wertschätzung genießt daneben die These Maria Reiches (1903-1998), die nach einem Studium der Mathematik, Physik und Geographie als junge Frau nach Peru auswanderte und den größten Teil ihres Lebens der Erforschung und Bewahrung der Wüstenbilder widmete. Sie sieht den Nasca-Komplex als Kalendarium gigantischen Ausmaßes mit eingebetteten astronomischen Zeichen an. Eine andere Theorie besagt zum Besipiel, dass peruanische Schamanen die Figuren in einer Art schamanisteischen “Drogenritual” von oben betrachtet hätten, etc....... etc... Zur Zeit findet sich ein Lösungsansatz in Gesamtkomplex der Begriffsmenge “Wasser, Gehen, Astronomie, Verwandtschaft, Arbeitsteilung und religiöse Pflichten, Fegen und Radialität”. (nach Anthony F. Aveni)

5.1-Livemix: Bei meinem Aufenthalt 2005 in der Region Nasca/Palpa habe ich unzählige Stunden Bild- und Tonaufnahmen gefertigt. Field-recordings, Interviews, Aufnahmen von Environments, Menschen und Leben in den Oasen. “Nasca 5.1” basiert im Ablauf auf den wesentlichsten Theorien der Nasca-Forschung wie Wasser, Astronomie, Religion, Verwandtschaft; bezieht aber auch geringgeschätzte Ansätze wie Cargo-Kultur, Sportstätten und Flug unter Drogen mit in die künstlerische Betrachtung ein.

Heute erfahren wir die Nasca Linien ausschließlich von oben per Flugzeug, als eine Art Weltwunder, als Hinweis auf das Göttliche im Menschen. Besonders auch deshalb, weil die Erbauer der Nasca-Linien zwar ihr Leben als Bauern fristeten, aber auch über ein hohes geometrisches und vermessungstechnisches Know-How verfügten. Ich selbst sehe die Nasca-Linen & Trapezoide eher als "Speichermedium" einer Kultur, die symbolische Lesart tritt für mich eher in den Hintergrund. Die These, dass die Linien gemacht wurden, um mit den Göttern zu kommunizieren, sehe ich nicht, weil die Figuren im Vergleich zum Gesamten eher unbedeutend sind, auch wenn sie die "Stars" jedes Nasca Flugs sind. Da halte ich es eher wie der Diagrammatiker Gerhard Dirmoser, der mir folgende Analyse zu den Nasca Linien übermittelt hat: “Ich denke man hat die Lust an der Diagrammatik (der Ordnungsmuster, der Geometrie und der meßtechnischen Machbarkeit) entdeckt und dies voll ausgelebt. Es geht um die Blicklust und um das Machbare schlechthin. Faszinierend abstrakt, .... die Figuren sind für mich kleine Ausreißer, die hinter der gigantischen abstrakten Lösung weit zurück bleiben.”