Jean-Luc Lagarce - Die Regeln der Lebenskunst in der modernen Gesellschaft

Theatre Music

2011, Dec

Jean-Luc Lagarce "Die Regeln der Lebenskunst in der modernen Gesellschaft"

Premiere 10.12.2011, Landestheater Marburg an der Lahn

Regie: Alexander Leiffheidt
Bühne: Fred Bielefeld
Musik: Wolfgang Dorninger
Darsteller: Jürgen H. Keuchel, Franziska Knetsch, Tobias M. Walter

Deutsch von Isabelle Menke

Bei der Kunst des Lebens ist der Mensch sowohl der Künstler als auch der Gegenstand seiner Kunst. Er ist der Bildhauer und der Stein, der Arzt und der Patient. (Erich Fromm) Es ist normalerweise nicht besonders kompliziert, geboren zu werden. Zu sterben, nichts einfacher als das. Auch zwischen diesen beiden Ereignissen zu leben, stellt keine besondere Herausforderung dar. Man muss nur die Regeln befolgen und die Prinzipien der Gesellschaft annehmen, und schon geht es wie von selbst. Kaum ist der Mensch auf der Welt, wird bestimmt, kontrolliert, gedroht, werden einzig richtige Verhaltensnormen vorgegeben und bei Nichtbeachtung derselben die Konsequenzen gezogen. Wer aber seine Gefühle kontrolliert und z.B. nur dann weint, wenn es gesellschaftlich im Rahmen bleibt, also bei einer Beerdigung etwa oder einer Hochzeit, der hat keine Schwierigkeiten und kann glücklich bis an sein Ende leben, bis er dann vorschriftsmäßig ,entsorgt’wird. Aber ist das noch Leben? Wie ist Individualität, wie ist Freiheit möglich in einem sozialen System, das aus Angst vor Unordnung und Chaos alles regelt und bestimmt? In diesem 1994 entstandenen Text stellt Lagarce mit faszinierender Konsequenz die Frage, inwieweit Konventionen, die „Regeln der Lebenskunst“, die das Leben von der Wiege bis zur Bahre in eine überschaubare Form bringen, mehr sein können als eine Form Über- Ich-gesteuerter Maßregelungen.

Autor Jean-Luc Lagarce wurde 1957 in der Region Haute-Saône geboren. Nach dem Abitur beginnt er an der Universität von Besançon mit dem Studium der Philosophie. Parallel zu seinem Universitätsstudium ist er Schauspielschüler am Conservatoire National de Région und gründet die Amateurtheatergruppe „Théâtre de la Roulotte“. Er beginnt zu inszenieren und eigene Stücke zu schreiben. 1980 schließt er das Philosophiestudium ab. Er widmet sich nun ganz dem Schreiben und seiner Theatertruppe, die inzwischen professionell arbeitet. Zwei Wochen nach der Fertigstellung seines letzten Textes „Le pays lointain“ (Das ferne Land) stirbt Jean-Luc Lagarce mit nur 38 Jahren an Aids.

Fotos, Text und Information: Landestheater Marburg an der Lahn