Asten
Dorninger - soundart
Wolfgang Dorninger
Asten 1999
Electronic music piece based on field-recordings, CD
Festival der Regionen 1999, Asten, OÖ
Asten: Recording trains at the Westbahn in Asten for the project / CD-release "Asten". pic. by Wolfgang Dorninger
Resocycling, a projekt of Caritas Sozialprojekt Hartlauerhof and Kunst and Kultur, Pro Mente Oberösterreich
as part of "Randzonen" Festival der Regionen OÖ 25.6. - 4.7.1999.
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Projectpage in English
"Asten" von Wolfgang Dorninger
German text from the Cd-Booklet
Resocycling thematisierte Ränder auf zweifacher Ebene: der sozialen und der geographischen.
Die Partnerschaft beider Sozialeinrichtungen, Projektidee und - ziele ergaben sich aufgrund ähnlicher Ziele und Visionen der Institutionen Caritas und Pro Mente und durch die Tatsache, daß beide Ihre alltägliche Arbeit sogenannten gesellschaftlichen Randgruppen widmen. Die Realität, daß der Hartlauerhof in Asten liegt, Asten seinerseits geographischer Rand zum Zentrum Linz ist - mit ökologischen und sozialen Auswirkungen, ein Ort dessen Infrastruktur eindeutig auf die Bedürfnisse der Metropole zugeschnitten ist: ein ausgebautes, hochfrequentiertes Verkehrsnetz, großstädtischer Wohnungsbau, der die ursprüngliche dörfliche Struktur völlig überlagert, eine Mülldeponie, die den Großstadtmüll aufnimmt, eine Abfallsortieranlage oder die gewissermaßen als Linzer Randbemerkung aufzufassende Außenstelle der Strafvollzugsanstalt. Die Arbeitsperspektive war, Rand nicht a priori als Negativum zu begreifen, sondern seine Licht- und Schattenseiten aufzuspüren. Projektziele waren, dem Rand zentrale Aufmerksamkeit zu geben, in Begegnung und Auseinandersetzung über kommunikative und kreative Prozesse sollten Begriffe wie Wertlosigkeit/Verwertbarkeit, Rand/Zentrum neu überdacht werden.
Der Projekttitel "Resocycling" läßt die sozial und geographisch/ökologische Betrachtungsweise bereits anklingen. Vier externe Künstler - Ulrike Schörkel, Ella Raidel, Wolfgang Fadi Dorninger und Chris Wessels - wurden eingeladen, sich innerhalb ihrer unterschiedlichen Kunstmedien mit den Randphänomenen auseinanderzusetzen: Für die Entwicklung ihrer Arbeiten war es unabdingbar, den Dialog und die Mitarbeit zu suchen, einerseits mit den Klienten der beiden Einrichtungen, andererseits mit der Bevölkerung von Asten.
Dorninger, Asten: Wolfgang Dorninger recording at the Asten sewage-plant. One of the three tubes was empty. You can listen to a recording at bikemike.
"Asten" ein Musikstück von Wolfgang Fadi Dorninger in acht Bildern
Einschneidende Veränderungen in das Leben der Astener wurden zumeist durch politische Voragben und technische Eingriffe von Außen vorgegeben.
Mein Auftrag lautete: Komponiere ein Musikstück über Asten und skizziere den geographischen Rand.
Asten bietet gute Rohmaterialien für den Klangforscher: Hauptverkehrswege (Westbahn, Westautobahn, Einflugschneise), Kläranlage, Donaukraftwerk, Mülldeponie, Müllsortieranlage, Gefängnis, Menschen in Neubauten, Au- und Schilflandschaften und Badeseen. Die meisten Orte schließen den Menschen aus: Betreten verboten. Die Menschen sind hilfsbereit, freundlich und manchmal auch neugierig. "Für was soll das gut sein?" steht in ihre Gesichter geschrieben. Dabei kennen die wenigsten Astener ihren Ort. 6000 Neu-Astener genießen die Nähe zu Linz, beteiligen sich aber kaum am kulturellen Leben, kommen, wie es scheint, bloß zum schlafen. Rundum diese Schlafstätten reihen sich ein künstlicher Berg aus Müll, Bauern- und Auland. Asten klingt gut, diese Geräusche werden aber in den meisten Fällen kaum wahrgenommen. Durch gezielte Verstärkung wurden diese Elemente hörbar gemacht und als Teil eines Musikstückes recycled.
Acht Bilder: Das Stück beginnt auf einer Wiese, es ist Bauern- und Auland, eine Idylle aus purer Natur. Die Eingriffe des Menschen sind spärlich. Der erste große Eingriff: die Eisenbahn. Die Ereignisse in Asten beschleunigen sich. Die akustischen Muster werden immer sonderbarer. Die Ästhetik ändert sich. Industrielle Produktion schafft neue Ereignisse Produkte, Unfälle und Abfälle. Nicht nur im Konsum, sondern auch im Leben. Das Stück endet in der Jetztzeit. Drei Aufführung des Musikstückes fanden im Hartlauerhof, zwei am Marktplatz von Asten statt.
1.Bild "Idylle"
Geschichte: Das ursprüngliche Asten mit seinen 600 Bewohnern lebte von Landwirtschaft, Fischfang und Schiffahrt. Der Name Asten (Astina) kommt zum erstenmal in einer Urkunde des Stiftes St. Nikola bei Passau vom Jahre 1073 vor. Raffelstetten wurde bereits 906 im Zusammenhang mit der Raffelstettner Zollordnung urkundlich erwähnt.
Tonaufnahmen: Hohenlohe-Ausee, Schilflandschaft, Gabelung Ipfbach und Mitterwasser. Wasserplätschern des Ipfbaches bei den Schrebergärten (Fisching)/Brücke.
Musik: Geräusche aus der Au, von Tieren, vom Wetter und der Kirchenglocke fließen in das Stück "Asten erwacht".
2.Bild "Sissi Bahn"
Geschichte: Die heutige Westbahn verband auf Geheiß des bayrischen Königs München mit Wien. Mit der Sissy-Bahn hielt Mitte des 19. Jahrhunderts die industrielle Revolution Einzug in Asten. Die Beschleunigung der Menschen und Güter erfaßte auch die Astner Bauern und Fischer.
Tonaufnahmen: Au, Dampflok (Archiv), Zug: Intercity aufgenommen bei den Schrebergärten, Güterwaggons in der Nähe des Astner Bahnhofs) Musik: Ung. 100 Züge befahren pro Tag die Westbahnstrecke. In diesem Stück sind es aber 1000 pro Minute und sie fahren durch die Astener Wohnzimmer.
3.Bild "1938"
Tonaufnahmen: keine
Geschichte: Das Umsiedelungslager Heinrichsdorf, benannt nach Heinrich Himmler veränderte erstmals die dörfliche Struktur Astens. Mehr als 3000 Menschen lebten im Lager, wo es eine Post, Schule und eigene Gemeindeverwaltung gab. Nach dem Krieg wurde das Lager weitergeführt, um Vertriebenen kurzfristig Platz zu geben. 1963 wurde das Lager zu einer Außenstelle des landesgerichtlichen Gefangenenhauses Linz umgewidmet.
Musik: Das Stück "1938" richtet sich gegen barbarische, verbrecherische Machthaber und trauert mit den Leidenden."
4.Bild "Autobahn"
Tonaufnahmen: Westautobahn von der Autobahnbrücke Tillysburger Straße in der Stoßzeit und neuem Straßenbelag.
Geschichte: Asten vereint drei der wichtigsten Verkehrsrouten Österreichs auf seinem Gemeindegebiet. Die Westbahn, die Einflugschneise nach Wien und die Westautobahn. Die günstige Anbindung Astens an die Autobahn schafft Arbeitsplätze durch Industrieansiedelungen, verkürzte Anbindung nach Linz und Wien, aber auch dementsprechende Belastungen.
Musik: Motto: Wir fahren mit dem Auto, alles ist so wunderbar.
5.Bild "Mülldeponie"
Tonaufnahmen: keine
Geschichte: Die Linzer haben es gut, ihr Müll landet in Asten. Es werden Unsummen für marketinggerechte Verpackungsmittel ausgegeben, Kleinbeträge für Recycling.
Musik: Ein Trauermarsch für die Dummheit und den Egoismus der Menschen.
6.Bild "Donaukraftwerk"
Tonaufnahmen: Die Donau bei Hochwasser (Weißwasseraufnahmen), im Bauch des Kraftwerkes.
Geschichte: Das Donaukraftwerk Abwinden-Asten in 1980 wurde nach drei jahren Bauzeit fertiggestellt und zwingt die einst "wilde" Donau in ein geregeltes Flußbett. Früher überschwemmte der Fluß in regelmäßigen Abständen die Ortschaften Raffelstetten, Ipfdorf und Fisching.
Musik: Die Donau, ein Strom im Korsett - eine kleine Melancholie.
7.Bild "Kläranlage"
Tonaufnahmen: Einlauf des Hauptkanales, Rechenhaus, Vorklärbecken, Schlammpressenhaus, Maschinenraum, Heizraum, auf den Faulbehältern, ein Handy sendet Impulse (Störungen), wir hören das Handyläuten im leeren Faulbehälter, Flugzeug über Faulbehälter, die aufgeschreckten Vögel schimpfen über diese Belästigung.
Geschichte: Parallel zum Bau des Kraftwerkes erbaute die SBL die Kläranlage Asten. Über 30 Gemeinden lassen dort seit 1982 ihre Abwässer klären.
Musik: Die Kläranlage ist ein Paradis für Geräuschjäger, vor allem dann, wenn ein Faulturm fast leer ist und unglaubliche Hallreflexionen erzeugt. Das 12-Minutenstück setzt sich ausschließlich aus Geräuschen dieser Anlage zusammen. Ausnahme sind: Bassdrum und Bass beim Beatteil.
8.Bild "Leben in Asten"
Tonaufnahmen: Marktplatz, Brunnen am Marktplatz, lachende Menschen am Standlmarkt, Kindergarten (Kinder im Freien mit Flugzeug), spielende Kinder im Hof der Wohnanlage Eigenheimstraße.
Geschichte: Asten ist die jüngste Gemeinde Österreichs. Über 6000 Menschen wohnen in Asten. Von den Ur-Astnern (ung. 650) werden die Neu-Astner als eine Art "Schlafbewohner" betrachtet, da die meisten Bewohner täglich nach Linz auspendeln. Gleiches gilt für die Schüler.
Musik: Die Zukunft von Asten beim Spielen im Hof. Es liegt an ihnen das alte Asten mit dem neuen Asten zu verbinden. Das Stück "Asten erwacht" bildet den Abschluß.
