Dorninger @ eisbox

Sound Installation in Public Space

2010, Dec - 2013, Feb

Dorninger @ eisbox

Dorninger @ eisbox, eine Sound Installation im Rahmen von OK | Kunstwald beim Eisrausch 2010/2011 / 2011/2012 / 2012/2013

6 Klangszenarien

Wilde Tiere und die Tiefe des Waldes haben in unseren Breiten den Menschen seit jeher in Angst und Schrecken vesetzt. Wir erinnern uns noch alle an den Braunbären Bruno, der in Bayern vor ein paar jahren zum Abschuß "frei" gegeben wurde. Selbst mein Vorname Wolfgang trägt den Beruf des Wolfsjägers im Namen: Der nach dem Wolf geht.

Szenario 1: Gefahr und Wald

Im Märchen "Hänsel und Gretel" wird der Wald zum Ort kannibalistischer Praktiken. Im Film "Twin Peaks" von David Lynch wird der indianische "Black Lodge" Mythos als extradimensionaler Ort in den Wald verlagert, der sich bei gewissen Planetenkonstellationen wie ein Korridor öffnet. Und bei Shakespeare wird in "A Midsummer Night's Dream" der Hauptdarsteller einer Theatergruppe beim Proben im Wald von einem Puck in einen Esel verwandelt. Und weil der OK | Kunstwald bei meiner Einrichtung ein Märchenwald ist, werden wir so manches Tier hören, dass es im Wald so gar nicht gibt. Eine Art "Wintertraum".

Szenario 2: Märchenwald

Bei Shakespeare bedeutet WOOD im Stück "A Midsummer Night's Dream" nicht nur Wald, sondern auch "verrückt vor Ärger". Verrückt vor Ärger steht Demetrius im Wald, der selbst diese Verrücktheit ist: Die Welt der Elfen, die der Wald bei Nacht ist, ist die Welt der Verrücktheit, die verrückte Welt. Es werden Klangereignisse, die wir alle kennen im Sinne des Wortes verrückt, entweder durch Verschiebungen in der Zeitachse, in der Tonhöhe oder der Reihenfolge des Klangablaufes.

Szenario 3: Wind

Der Wind schickt uns Liebesgrüße, den Duft des Südens oder die Sehnsucht der Ferne. Er kann aber auch bedrohlich oder süß wie Nektar sein. In der Eisbox wird er im Durchgang eisige Kälte aus der Ferne ankündigen, aber in den Bäumen auch Botschaften von fremden Wesen.

Szenario 4: Vögel

"Das Glück ist ein Vogerl" tönt es in einem Wienerlied, weil wir nie wissen wann und wo ein Vogel landet und wieder wegfliegt. Als eine Art Verkörperung eines unauflösbaren chaotischen Rests in der Ordnung des Universums.

Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek sieht in "Die Vögel" (A. Hitchcock) die Vögel auch als Verkörperung des Lacan'schen „Realen“: Eine von außen in die Wirklichkeit hereinbrechende, traumatische Erscheinung jenseits der Kausalität und des durch Denken und Sprache Begreifbaren (vgl. Žižek: Liebe Dein Symptom wie Dich selbst!, Berlin: Merve Verlag 1991, S. 57). Da die Eisbox sowieso zwischen Erde und Himmel auf einem Podest plaziert ist, sind Vögel genau jene Boten die zwischen Himmel und Erde, Nah und Fern, Real und Irreal schweben.

Szenario 5: Der Wald und das Fremde

Undurchdringliche Wälder suggerierten in fernen Tagen nicht nur Angst und Gefahr, sondern auch unendliche Ferne. Im Film "The Village" von M. Night Shyamalan ist der Wald überhaupt eine Tabuzone. Es gibt einen Pakt mit mysteriösen Geschöpfen, den Unaussprechlichen, die nur dann den Ort nicht angreifen, wenn die Dorfbewohner den Wald nicht betreten. Die Unaussprechlichen, ungewiss ob Mensch oder Tier sind eine Erfindung der Dorfältesten um die Jungen davon abzuhalten, den Wald zu durchschreiten, um den utopischen Ort ihrer Eltern zu verlassen. Als undurchdringliches Gebilde, ähnlich wie auf dem Dach des Parkhauses, eignet sich der Wald perfekt als Freiraum für Phantasien, soziopolitische Utopien und tiefe Mystik. Blickt man auf den temporären Wald der Eisbox, dann sieht man keine Stadt mehr dahinter, man hört kaum noch, ist also ausgeblendet, verschwunden. Und wenn etwas weg ist, dann läßt sich leicht etwas Neues bauen.

Szenario 6: Eisdisco

Musikstücke zur Weihnachtszeit und zum Eistanzen.

Die Sound Installation wurde neu adaptiert 2011/2012 und 2012/2013 wieder eingerichtet.

Wolfgang Dorninger
"Dorninger@eisbox", 2010
Sound Installation
Alesis HD-24, 4 Horn-Lautsprecher, 18 Lautsprecher