Faltungen

Sound Installation

2010, Feb- Jun

Faltungen

"Faltungen", eine Soundinstallation von Wolfgang Dorninger im Rahmen der Ausstellung "Prinz Eugen - Feldherr Philosoph und Kunstfreund"

Die Soudinstallation beschäftigt sich mit zwei Operatoren des Wirkens von Prinz Eugen: Krieg und Kunst. In der Mathematik beschreibt eine Faltung einen mathematischen Operator, der für zwei Funktionen (f) und (g) eine dritte Funktion (h) liefert. Nimmt man nun Krieg als Operator (f) und Kunst als (g), stellt sich unweigerlich die Frage: Was war nun die dritte "Funktion" (h) von Prinz Eugen?

In der Tontechnik gibt es die Funktion des Faltungshalls. Der Faltungshall ist ein akustischer Hall-Effekt, der mit Hilfe der Faltung Abbilder real existierender Räume per Computersystem auf Audiosignale errechnet. Dem trockenen Signal wird somit ein künstlicher Raum aufgesetzt, eine Kubatur geschenkt. Die Installation "Faltungen" geht akustisch einen gänzlich anderen Weg, bedient sich aber dieser Methodik. In dem bestehenden Raum (50 x 2 Meter mit unterschiedlicher Höhe) mit seinen ureigenen Hallimpulsen werden Klänge mittels drei Hypersonic Speaker eingespielt, die sich erst beim Auftreten auf Materie in hörbare Frequenzen umwandeln. Die extrem engen Abstrahlwinkel erzeugen zudem ein sehr spezielles akustisches Raumbild: Einen Raum im Raum. Einzig der Subwoofer, er übermittelt nur Klänge unter 200hz, diffudiert in der "originalen" Faltung des Raumes.

Simulation Alles was in der Installation real klingt, ist eine Simulation, das Produkt einer Faltung. (h) läßt uns an Krieg denken, obwohl (f) der Klang eines fallenden Buches ist und (g) den gefaltene Hallraum eines Prunkraum abbildet. Wir denken an Krieg, hören aber ein auf einem Steinboden aufschlagendes Buch, wo wir auf zwei Parameter des Eugen'schen Kosmos treffen: Kriegskunst und Bücher. Wir treten also akustisch hinein in die Faltungen des Prinz Eugen und dürfen uns erlauben folgende Frage zu stellen: Ist er deshalb so siegreich gewesen, weil er durch die breite Informationsakkumulation neue Parameter (h) und neue räumliche Simulationen am Schlachtfeld erzeugt hat. Oder gar Räume in Räume gesteckt hat?

Klangraum Die Soundinstallation "Faltungen" generiert in der Orangerie ständig neue Faltungen und Informationsfelder, die sich am besten durch die Gegensätze Bewegung und Verweilen erfahren lassen. Das Lachen, das sich mit präzisen Wanderbewegungen durch den Raum bewegt, hat weder eine geschlechtliche Ausrichtung in der Klangfarbe, noch lässt es sich durch extreme Spatialisierungen präzise einfangen. In der Bewegung werden wir angelacht, im Verweilen ertappen wir uns als Beobachter: "... er habe offt bey den jungen Leuten die Dame agirt." Die Installation "Faltungen" suggeriert uns ein lineares Klang- und Informationsbild, bricht aber mit sämtlichen Mustern unserer Klang-(Raum)-Bibliothek und Klang- Hierarchie. Ähnlich verhält es sich mit der Verortung.

Konkrete Klänge Konkrete Klänge sind die akustische Basis der Soundinstallation. Im Gegensatz zu abstrakten, synthetischen Klängen, entsteht bei der Wahrnehmung ein permanenter Abgleich des Inputs mit der Bibliothek. Die selbstorganisierenden Eigenschaftskarten orten nach Ähnlichkeiten, um entsprechende Repräsentationen zu codieren. Hören wir dunkle, dumpfe Geräusche, dann meldet die Bedeutungskarte, ganz unterbewusst Gefahr, denn es kündet sich Donner oder auch eine Explosion aus der Ferne an. Hören wir Pferdegewieher, laut und verzerrt schreiend, dann rufen wir in den meisten Fällen Sounddesigns aus der Filmindustrie ab, kaum solche aus der Wirklichkeit. Assoziative Aktivierungen sind die Folge. Hat jemand das Bild "Guernica" von Pablo Picasso im Kopf, dann aktiviert sich das Pferdebildnis aus dem Bild, bei anderen wieder die frisch erlebten, monumentalen Schlachtbilder der Prinz Eugen Ausstellung. Diese assoziativen Aktivierungen können nicht abgestellt werden, erzeugen permanente Stimulationen auf erster Ebene, wobei der Grad der Intensität zu einem sehr hohen Grad von persönlichen und kulturellen Höhrgewohnheiten und -erfahrungen abhängt.

Affekt "Im Barock wurde die Musik als ein Sprache der Affekte betrachtet" (van Baest). Der Ort der Klanginstallation, jener 50x2 Meter lange, nachträglich eingebaute, mit hängenden Raumobjekten gefüllte Gang, gönnt den Besucherinnen einen "barocken" Blick durch die breite Fensterfront. Der Klang hat kein Innen und Außen, er durchdringt uns, ähnlich dem Licht. Mit jedem neuen Klang erobern wir neue Welten, dürfte sich Prinz Eugen gedacht haben und entführte die damalige Gesellschaft mit dem Klang exotischer Vogel in jene Gemütserregung, die eine Mobilität in die Ferne legitimierte.

Wolfgang Dorninger
"Faltungen", 2010
Sound Installation
Länge: ~7 Minuten
Stimmen: Lisa Fuchs, Helmut Fröhlich, Theo Helm, Ferdinand Kopeinig
3 Hypersonic-Speaker, 3 Verstärker, 2 beam width controller 1 DVD-Player, 1 Subwoofer, 1 Drehmotor