Warum Lebensklänge?

Lebensklänge von Wolfgang Dorninger
Canva / Wolfgang Dorninger

Lebensklänge von Wolfgang Dorninger für die Communale 2026

Das Kino ist voll mit Kriegslärm jeglicher Art. Viele Klänge stammen von echtem Kriegsgerät, viele kommen aber von zweckentfremdeten Klangquellen wie Gemüse, Schotter, Blechen oder aus dem Mund. Dazu kommen noch schwere basslastige Frequenzen und tinnitusähnliche Geräusche, die uns die Luft nehmen, den Raum um uns eng machen. Kampf ist Bewegung, es prallen unterschiedliche Mindsets aufeinander, Statik trifft auf Beweglichkeit und der Faktor Zeit ist sehr oft entscheidend. Diese Klangkaskaden und Schnitte aus dem Kino kennen wir. In Zeiten realer Kriege fühlen wir uns dann eher unwohl, in langen Friedenszeiten werden die Katastrophenklänge in den Medien schon attraktiver.

Ich gehe bei meinem Stück „Lebensklänge“ einen gänzlichen anderen Weg. Ich inszeniere nicht den Klang der Zerstörung, sondern des Lebens: Klänge der Familie, der Arbeit, der Natur, der Geselligkeit, von Menschen und Tieren. Ich fokusiere den akustischen Blick nicht auf das Grauen im OÖ Bauernkrieg, sondern auf die Klänge des Alltags der Aufständischen. Die Alltagsklänge der gegnerischen Berufssoldaten lasse ich bewusst weg, weil sie Geräusche der Zerstörung sind. Ich will den Klängen des Lebens folgen.

Fünf Aufführungsorte

Vier unterschiedliche Aufführungen finden an Originalschauplätzen des OÖ Bauernkriegesfinden in Lembach, Ottensheim, Pinsdorf und Wolfsegg statt. Eine weitere Aufführung am Tag des Denkmals im Mariendom in Linz. Es wird keine Open-Air Tonanlage aufgebaut, keine Bühne, es gibt keine Bestuhlung und es werden keine Absperrungen vorgenommen. Es verteilen sich bloß elf Lautsprecher im Raum und in der Mitte ist ein Tisch. Das Publikum bringt Decken und Liegestühle mit, sucht sich seinen Platz oder bleibt in Bewegung. Alle Aufführungen finden in der Dämmerung statt. Die gesamte Technik wird mit Batterien betrieben. Zwei Lautsprecher sind in Bewegung. Laptop, Soundkarte, Verstärker, Lautsprecher, Stative, Batterien, Solarlampen, .....

Lebensklang

Wolfgang Dorninger mischt seine Klangkompositionen live für 8 Lautsprecher, 2 mobile Speaker und einen Subwoofer. Die Klänge werden im Vorfeld aufgenommen. Es sind konkrete Klänge des Alltags aus der Friedenszeit wie Waldarbeit, Feldarbeit, beim Singen, Beten, Kutschen fahren oder Stampfen auf dem Tanzboden, aber auch Klänge die uns umgeben, ganz gleich ob Wind, Sturm, Glocken, Bäche oder von wilden Tieren. Wir können sie im Original hören, aber auch bearbeitet, wie ein Echo von Zuhause oder als Zerdehnung vor dem Kampf, wenn die Angst immer größer wird oder als Schleier im verwundeten Zustand. Nicht die Geräusche der Gewalt klingen dynamisch im Raum, sondern die des Lebens, inszeniert, kinematografisch, analog zu den Soundtracks des Genres Kriegsfilm. Ein gänzlich anderes Mindset im Sound Design. Die Geräusche vor Ort werden in die Aufführung miteinbezogen.

Wolfgang Dorninger

Foto: Max Bauer

"Lebensklänge" von Wolfgang Dorninger, ein Projekt der communale oö 2026 - 400 Jahre OÖ. Bauernkrieg